Handstreich auf Bevergern
 

Der Handstreich auf Bevergern
(28. August 1652)
Gemälde, Öl auf Leinwand, nach 1652, unsigniert und undatiert m.R.: 179,0 x 188,0 cm
Privatbesitz


Das großflächige Gemälde gibt eine in Öl gemalte Landkarte wieder, in deren Mittelpunkt der Handstreich auf Bevergern festgehalten ist. Der obere Teil des Bildes weist nacht Osten. Hier sind die Höhenzüge des Teutoburger Waldes angedeutet. In der Bildmitte liegt die Burg Bevergernund im Vordergrund die Stadt Rheine an der Ems, auf der zwei Emspünten (Boote zur Beschiffung der Ems) zu sehen sind.
Das Bild gibt den Verlauf der Ereignisse in der Interpretation des Malers wieder: Die Soldaten des Fürstbistums Münster marschieren aus Richtung Rheine auf Bevergern zu. Als dieoranische Besatzung ihnen den Zutritt zur Burg verwehrt, ziehen sie zunächst zum Schein ab, lagern unbemerkt in einer Scheune des Klosters Gravenhorst bei Rodde. Zwei Tage später kehren sie jedoch zurück. Sie belagern die Ortschaft Bevergern und belegen sie mit Beschuß aus ihren Musketen, auf den ihnen aus der Ortschaft und der Burg geantwortet wird. Im Schatten der Burg sind weitere Soldaten aufgezogen, die im Feuerschutz den Burggraben durchwaten. Aus der Burg wird ihnen eine Strickleiter heruntergelassen und so der Zugang in das Innere ermöglicht.


Auch nach Ende des 30jährigen Krieges befanden sich Teile des Bistums Münster noch in der Hand ausländischer Truppen. So hielten die Hessen Bocholt, Borken, und Coesfeld, die Schweden Vechta und die Niederländer Bevergern besetzt. Neben den hohen Kosten, die an die Besatzungstruppen zu zahlen waren und die die Landeskasse stark belasteten, forderte deren Anwesenheit die Ausbreitung des Protestantismus in den von ihnen kontrollierten Gebieten.
Nachdem die Hessen Coesfeld geräumt hatten, wollte der münsterische Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die Festung Bevergern als nächsten festen Platz am 26. August 1652 wieder übernehmen, doch die Besatzung der Festung verweigerte die Übergabe. Diese Reaktion bereits vorausahnend, hatte Christoph Bernhard von Galen Soldaten und Kriegsmaterial nach Bevergern bringen lassen.
Durch die Bestechung von Soldaten in der Burg, die vorher in der münsterischen Kompanie von Twickel gedient hatten, war es möglich geworden, dass bei einem Scheinangriff der münsterischen Soldaten die Tore geöffnet wurden und die Festung eingenommen werden konnten. Die Besatzung wurde nicht gefangengenommen, sondern erhielt freien Abzug. Die Situation auf dem Gemälde stimmt also im Detail (Einstieg mit Hilfe einer Strickleiter) nicht mit dem überein, was in der Literatur (Eindringen durch das geöffnete Tor) über den Handstreich geschrieben wird.
Mit der gewaltsamen Einnahme Bevergerns riskierte Christoph Bernhard bewusst eine Verleuchterung in den Beziehungen des Bistums zu den Niederlanden, sogar einen militärischen Gegenschlag. Dieser blieb jedoch aus.